„Und, was machst du jetzt eigentlich beruflich?“
Ich hasse diese Frage. Nicht weil ich keine Antwort hätte – ich habe zu viele. Bibliothekspädagogin. Systemische Coachin. Webdesignerin für Gründerinnen. Dozentin an der VHS, der VWA und der WBS. Und irgendwo dazwischen noch Vorständin in einem Verein.
Früher habe ich mich dafür entschuldigt, bevor überhaupt jemand gefragt hat, ob das ein Problem sei. „Ich weiß, das klingt chaotisch.“ „Ich kann mich einfach nicht entscheiden.“ „Bei mir ist alles ein bisschen viel gleichzeitig.“
Das war nicht nur eine ehrliche Beschreibung. Das war auch Scham.
Zwanzig Jahre lang „ein bisschen viel gleichzeitig“
Über zwanzig Jahre lang habe ich in der Stadtteilbibliothek Südvorstadt Leipzig gearbeitet. Klingt nach einer klaren Sache – war es nie. Ich habe Belletristik lektoriert, Öffentlichkeitsarbeit gemacht, Veranstaltungen organisiert, mit Kindern und Jugendlichen Programme entwickelt, und mit „Lesespaß mit kalter Schnauze“ sogar tiergestützte Leseförderung aufgebaut. Nebenbei stellvertretende Sachgebietsleitung, ohne dass ich das je in den Vordergrund gestellt hätte – mir ging es nie um den Titel, sondern um die Arbeit selbst.
Parallel dazu: Dozentin an der VWA und VHS Leipzig, später auch bei WBS Training im klassischen Karrierecoaching. Und während all das lief, habe ich mir WordPress selbst beigebracht, weil ich verstehen wollte, wie das Internet eigentlich funktioniert.
Von außen sah das nach einer Frau aus, die alles im Griff hat. Von innen fühlte es sich oft an wie: Ich müsste mich eigentlich mal entscheiden.
Was eine Scanner-Persönlichkeit eigentlich ist
Der Begriff stammt von der amerikanischen Autorin Barbara Sher. Gemeint sind Menschen, die nicht ein großes Thema haben, dem sie ihr Leben widmen – sondern viele. Die sich für Sprache genauso begeistern wie für Systeme, für Menschen genauso wie für Technik. Die nicht oberflächlich sind, sondern schnell in die Tiefe gehen – nur eben in mehreren Bereichen, statt in einem.
Das wird gern mit fehlendem Fokus verwechselt. Mit Unentschlossenheit. Manchmal sogar mit einer Aufmerksamkeitsstörung. Ist es aber meistens nicht. Es ist ein anderes Denkmuster: Muster erkennen, Zusammenhänge zwischen Feldern sehen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.
Bei mir sieht das zum Beispiel so aus: Was ich in der Leseförderung mit Kindern über Zugänglichkeit gelernt habe, hilft mir heute dabei, komplizierte Website-Themen für Gründerinnen verständlich zu erklären. Was ich in zwanzig Jahren Erwachsenenbildung über Gruppendynamik gelernt habe, fließt direkt ins Coaching ein. Nichts davon war verschwendete Zeit, weil ich „nicht bei einer Sache geblieben“ bin. Es war die Grundlage für das, was ich heute mache.
Die SEIN-Methode und der Umgang mit zu vielen Ideen
Genau aus dieser Erfahrung heraus ist die SEIN-Methode entstanden, die ich heute im Coaching nutze. Vier Schritte, die gerade für Scanner-Persönlichkeiten Gold wert sind:
Stoppen. Nicht die nächste Idee sofort verfolgen, nur weil sie da ist. Erst einmal innehalten.
Erkennen. Welches Muster wiederholt sich hier eigentlich? Welche Idee ist wirklich neu – und welche ist nur eine weitere Ablenkung von etwas, das gerade unbequem ist?
Ich sein. Akzeptieren, dass Vielseitigkeit kein Fehler ist, der behoben werden muss. Sondern eine Arbeitsweise, die Struktur braucht – nicht Unterdrückung.
Neu starten. Eine Sache wirklich zu Ende bringen, bevor die nächste beginnt. Nicht für immer. Nur für diese eine Projektphase.
Das war für mich der entscheidende Unterschied: Ich musste mich nie auf eine Sache für den Rest meines Lebens festlegen. Ich musste nur lernen, jeweils eine Sache zu Ende zu bringen, bevor ich die nächste anfange.
Falls du dich gerade wiedererkennst
Vielleicht hast du auch mehrere Steckenpferde, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Vielleicht hast du auch schon den Satz gehört: „Du solltest dich mal für etwas entscheiden.“ Vielleicht sagst du ihn dir sogar selbst, immer wieder.
Du musst nicht. Du darfst mehrere Fäden gleichzeitig halten – du brauchst nur eine Struktur, die verhindert, dass du dich darin verhedderst. Genau daran arbeiten wir im Coaching, wenn es passt. Und falls du erstmal für dich allein damit anfangen willst: Mein Workbook „Pause erlaubt“ ist ein guter erster Schritt, um herauszufinden, welche deiner vielen Ideen gerade wirklich dran ist – und welche noch warten kann.
Du musst nicht alles wissen, um anzufangen. Du musst nur wissen, wofür du stehst – den Rest zeige ich dir.
Magst du direkt weitermachen?
→ „Pause erlaubt“ herunterladen – das kostenlose Workbook, um erstmal für dich allein Klarheit zu finden.
→ Ein kurzes, unverbindliches Gespräch vereinbaren – falls du merkst, dass du lieber gemeinsam sortierst statt allein.
