„Was genau macht ihr da eigentlich im Coaching?“
Diese Frage bekomme ich oft, meistens von Menschen, die noch nie in einem Coaching waren und sich darunter irgendetwas zwischen Motivationsvortrag und Therapie vorstellen. Die ehrliche Antwort: Wir folgen keinem Skript mit fertigen Antworten. Wir folgen einer Struktur – der SEIN-Methode. Vier Schritte, die nicht vorschreiben, was du fühlen oder wollen sollst, sondern dir helfen, das selbst herauszufinden.
Warum ich diese Struktur überhaupt entwickelt habe
Ich habe die SEIN-Methode nicht am Schreibtisch erfunden, um ein originelles Konzept zu haben. Sie ist aus meinem eigenen Weg entstanden – aus zwanzig Jahren, in denen ich funktioniert habe, ohne mich zu fragen, ob das eigentlich noch zu mir passt. Als ich anfing, das zu ändern, merkte ich: Es gab keinen fertigen Fahrplan dafür. Nur viele einzelne Erkenntnisse, die sich rückblickend zu vier klaren Phasen zusammenfügten.
Diese vier Phasen sind heute die Grundlage meiner Arbeit – nicht als starre Checkliste, sondern als Orientierung, die sich an dein Tempo anpasst.
S – Stoppen
Der erste Schritt ist nicht, ein Problem zu lösen. Er ist, überhaupt erst wahrzunehmen, dass eines da ist.
Das klingt einfacher, als es ist. Die meisten Menschen, die zu mir kommen, sind Meisterinnen im Weiterfunktionieren. Sie haben gelernt, unangenehme Gefühle wegzuschieben, weiterzumachen, „das jetzt nicht anzuschauen, weil gerade keine Zeit dafür ist“. Stoppen heißt: aus diesem Automatismus kurz auszusteigen. Nicht für immer – nur lange genug, um wirklich hinzusehen.
In der Praxis kann das eine einzelne Sitzung sein, in der wir bewusst nichts „lösen“, sondern nur beobachten: Was ist hier eigentlich los? Manchmal reicht schon dieser eine Schritt, damit sich etwas verschiebt.
E – Erkennen
Wenn du einmal angehalten hast, wird sichtbar, was vorher überdeckt war: Muster. Die Entscheidung, die du immer wieder gleich triffst. Der Satz, den du dir seit Jahren selbst sagst. Die Erwartung anderer, die du für deine eigene hältst.
Hier arbeite ich oft mit fundierten Persönlichkeitsanalysen – JPP oder dem LINC Profiler –, nicht um dich in eine Schublade zu stecken, sondern um Muster sichtbar zu machen, die dir selbst oft gar nicht bewusst sind. Manchmal auch mit kreativen Zugängen: Malen, Musik, Moodboard-Karten – weil sich manche Muster leichter über ein Bild zeigen als über ein Gespräch.
Erkennen ist unbequem, weil es ehrlich ist. Aber es ist auch der Punkt, an dem viele zum ersten Mal seit langem das Gefühl haben: Ah. Deshalb also.
I – Ich sein
Der dritte Schritt ist der, den ich am wichtigsten und gleichzeitig am schwersten vermittelbar finde. Ich sein bedeutet nicht, eine neue, bessere Version von dir zu werden. Es bedeutet, zurück zu dem zu finden, was ohnehin schon da war – bevor es unter Rollen, Erwartungen und „das gehört sich so“ verschüttet wurde.
Das ist der Grund, warum ich mit niemandem arbeite, um sie zu „optimieren“. Es geht nicht darum, produktiver, disziplinierter oder erfolgreicher zu werden. Es geht darum, dass du wieder weißt, was du eigentlich willst – unabhängig davon, was andere davon erwarten.
N – Neu starten
Der letzte Schritt ist der einzige, der nach außen sichtbar wird: eine konkrete Veränderung. Ein Gespräch, das du endlich führst. Eine berufliche Entscheidung, die du triffst. Eine Grenze, die du ziehst.
Wichtig dabei: Neu starten heißt nicht, dass ab jetzt alles anders ist. Es heißt, den nächsten konkreten Schritt zu gehen – in deinem Tempo, nicht in dem, das ein Ratgeber oder ein Umfeld dir vorgibt. Manchmal ist der „Neustart“ so klein wie ein einziges verändertes Gespräch. Das reicht.
Warum diese Reihenfolge wichtig ist
Die häufigste Falle, die ich sehe: Menschen versuchen, direkt bei „Neu starten“ anzufangen, ohne vorher gestoppt oder erkannt zu haben, was eigentlich los ist. Das Ergebnis sind Veränderungen, die sich richtig anfühlen sollen, aber nicht halten – weil sie nicht auf echter Klarheit aufbauen, sondern auf dem Impuls, dass „jetzt endlich mal was passieren muss“.
Die SEIN-Methode ist deshalb kein Motivationsprogramm. Sie ist eher das Gegenteil: eine Erlaubnis, langsamer zu werden, bevor du weitermachst.
Für wen das passt – und für wen (noch) nicht
Die SEIN-Methode passt gut, wenn du merkst, dass du viel erreichst, aber innerlich unruhig bist – wenn du funktionierst, aber dich dabei nicht mehr spürst. Sie passt weniger, wenn du eine schnelle Lösung in dreißig Minuten suchst oder akut in einer psychiatrischen Krise steckst – dafür braucht es andere, professionellere Unterstützung als Coaching.
Magst du direkt weitermachen?
→ „Pause erlaubt“ herunterladen – ein erster kleiner Schritt zum „Stoppen“, ganz für dich allein.
→ Ein kurzes, unverbindliches Gespräch vereinbaren – falls du merkst, dass du das nicht allein durchgehen möchtest.
